Es klingt simpel. Du nimmst deine übliche Größe, bestellst sie, fertig. Und doch ist die falsche Schuhgröße die häufigste Ursache für Blasen, Zehenschmerzen, müde Füße und Verletzungen beim Wandern. Es ist einer der häufigsten Fehler, und einer der vermeidbarsten.
Das Problem ist, dass Wanderschuhgrößen nicht genauso funktionieren wie normale Schuhgrößen. Es spielen Faktoren eine Rolle, die im Alltag keine Bedeutung haben: die Schwellung der Füße beim Gehen, die Art der Socken, das Gefälle des Weges, das Gewicht des Rucksacks. Sie zu ignorieren bedeutet fast immer, mit dem falschen Schuh am Fuß zu enden.
Warum die normale Größe nicht ausreicht
Das Erste, was man verstehen muss: Die Füße verändern sich während einer Wanderung. Sie schwellen an, weiten sich aus, verschieben sich bei Abfahrten zur Schuhspitze. Ein Schuh, der morgens perfekt sitzt, kann nach zwei Stunden auf dem Trail zu eng werden oder zu viel Spielraum lassen und Reibung an der Ferse verursachen.
Die Füße schwellen im Durchschnitt um eine halbe Größe nach einer Stunde Gehen auf ebenem Gelände. Bei Strecken mit erheblichem Höhenunterschied oder an warmen Tagen kann die Schwellung noch größer sein. Die Größe nur danach zu wählen, wie der Schuh im Geschäft oder zu Hause sitzt, ist ein fast sicherer Fehler.
Die Zentimeter-Regel
Die einfachste und effektivste Regel: Zwischen dem längsten Zeh und der Schuhspitze muss mindestens ein Zentimeter Platz sein. Nicht einen halben Zentimeter, nicht zwei Millimeter, einen vollen Zentimeter.
Dieser Abstand dient zwei Zwecken. Erstens: Die Füße schwellen beim Wandern und brauchen Platz zum Ausdehnen, ohne eingeengt zu werden. Zweitens: Bei Abfahrten gleitet der Fuß bei jedem Schritt leicht nach vorne. Ohne diesen Abstand stoßen die Zehen ständig gegen die Schuhspitze, und genau hier entstehen die schwarzen Nägel und Zehenschmerzen, die viele Wanderer kennen.
Achtung: Der längste Zeh ist nicht immer die große Zehe. Manche Menschen haben eine längere zweite Zehe als die große — eine normale anatomische Variante, die als griechischer Fuß bekannt ist. In diesem Fall ist die zweite Zehe der Referenzpunkt, nicht die erste.
Die Füße zum richtigen Zeitpunkt messen
Der schlechteste Zeitpunkt, um die Füße zu messen, ist morgens nach dem Aufstehen. Die Füße befinden sich nach Stunden horizontaler Ruhe auf ihrem Mindestvolumen. Sie zu diesem Zeitpunkt zu messen führt fast immer zur Wahl einer zu kleinen Größe.
Der beste Zeitpunkt ist der Nachmittag oder Abend, nachdem man einige Stunden gegangen ist. Zu diesem Zeitpunkt sind die Füße bereits teilweise angeschwollen und liefern eine Messung, die viel näher an der tatsächlichen Größe beim Wandern liegt.
Ein weiterer praktischer Tipp: Immer beide Füße messen. Die meisten Menschen haben einen Fuß, der etwas größer ist als der andere, der Unterschied kann bis zu einer halben Größe betragen. Immer die Größe nach dem größeren Fuß wählen.
Die Socke ist Teil des Systems
Einer der häufigsten Fehler beim Anprobieren von Wanderschuhen ist, sie mit einer dünnen Alltagssocke anzuprobieren. Die technische Wandersocke ist dicker als eine normale Socke und nimmt mehr Platz im Schuh ein. Sie ohne diese Socke anzuprobieren entspricht dem Messen mit einem kleineren Fuß als dem tatsächlichen.
Immer die technische Socke mitbringen, die man beim Wandern tragen wird, wenn man Schuhe anprobiert. Wenn man online kauft und sie nicht anprobieren kann, sollte man bedenken, dass man möglicherweise eine halbe Größe mehr als die übliche Größe braucht.
Breite und Fußform
Die Schuhgröße misst die Länge des Fußes, nicht die Breite. Aber nicht alle Füße sind gleich breit, und ein der Länge nach richtiger Schuh kann in der Breite falsch sein.
Menschen mit breitem Fuß kaufen oft Schuhe, die zu lang sind, um genug seitlichen Platz zu haben, und enden dann damit, dass die Zehen gegen die Schuhspitze stoßen. Menschen mit schmalem Fuß riskieren, dass der Schuh die Ferse nicht richtig hält, was Reibung und Blasen verursacht.
Einige Hersteller bieten Schuhe in verschiedenen Breiten an, die in der Regel mit den Buchstaben D für die Standardbreite, E für die breite und EE für die extrabreite angegeben werden. Es lohnt sich, nach spezifischen Modellen für breite Füße zu suchen, wenn das die eigene Situation ist, der Komfortunterschied ist enorm.
Richtig schnüren
Auch die perfekte Größe kann Probleme verursachen, wenn der Schuh nicht richtig geschnürt ist. Die Ferse darf sich beim Gehen nicht heben, wenn sie es tut, ist der Schuh zu weit oder nicht fest genug geschnürt. Eine sich hebende Ferse erzeugt ständige Reibung und führt fast garantiert zu Blasen.
Die Technik des Läuferknotens, einen doppelten Durchgang durch die letzte Öse machen, bevor man den Knoten macht, fixiert die Ferse in Position und reduziert die Fußbewegung im Schuh. Ein kleines Detail mit großer Wirkung, besonders bei Abfahrten.
Unterschiedliche Größen bei verschiedenen Marken
Ein letzter oft übersehener Punkt: Die gleiche Größe kann zwischen verschiedenen Marken und zwischen verschiedenen Modellen derselben Marke erheblich variieren. Ein Wanderschuh Größe 42 eines Herstellers kann einem 42,5 eines anderen entsprechen.
Wenn man online kauft und den Schuh nicht physisch anprobieren kann, sollte man immer die Bewertungen zur Passform lesen, viele Käufer geben an, ob das Modell groß, klein oder normal ausfällt. Und immer die Rückgaberichtlinien nutzen, um die Größe bei Bedarf tauschen zu können.
Die richtige Größe ist die, die man nicht spürt
Ein Schuh in der richtigen Größe fühlt sich nicht an. Er drückt nicht, lässt nicht zu viel Spielraum, erzeugt keine Druckpunkte. Wenn man den richtigen Schuh trägt, nimmt man nur den Boden unter den Füßen wahr — nicht den Schuh selbst.
Wenn du nach Wanderschuhen suchst, die sich jedem Fußtyp anpassen, ist unsere Frühjahrskollektion bereits erhältlich: orthopädische, wasserdichte und Trekkingschuhe für alle, die auf den Trails im maximalen Komfort unterwegs sein wollen.
