Wanderschuhe reinigen und pflegen: der praktische Guide

Hände reinigen einen schlammigen Wanderschuh mit einer Holzbürste auf einem nassen Holztisch im Freien – Pflege und Reinigung von Trekkingschuhen

Wanderschuhe sind ein Werkzeug und wie alle Werkzeuge funktionieren sie besser und halten länger, wenn sie richtig behandelt werden. Dennoch ist es erstaunlich, wie viele Menschen in ein gutes Paar Outdoor-Schuhe investieren und sie nach jeder Tour vollständig vernachlässigen.

Der Unterschied zwischen einem Schuh, der zwei Jahre hält, und einem, der fünf hält, liegt oft nicht in der Qualität, sondern in der Pflege. Schlamm, der auf den Nähten trocknet, nie gebürstete Sohlen, Schuhe, die noch feucht in einem dunklen Schrank verstaut werden. Kleine Fehler, die sich summieren und die Lebensdauer eines ansonsten hervorragenden Schuhs erheblich verkürzen.

Dieser Guide erklärt, was nach jeder Tour zu tun ist und was nicht, und wie man Wanderschuhe richtig aufbewahrt, damit sie so lange wie möglich halten.

Warum regelmäßige Reinigung so wichtig ist

Es geht nicht nur um Ästhetik. Schlamm, Sand und Schmutz, die sich in den Nähten, der Sohle und dem Obermaterial ansammeln, beschleunigen den Materialverschleiß erheblich.

Sand wirkt besonders wie Schleifpapier: Jede Fußbewegung im Schuh erzeugt Mikro-Abrasionen, die im Laufe der Zeit sowohl das Innenmaterial als auch die Nähte abnutzen. Trockener Schlamm, der in den Falten des Obermaterials zurückbleibt, versteift das Material und kann kleine Risse verursachen. Zurückgehaltene Feuchtigkeit begünstigt die Schimmelbildung und greift den Kleber an, der die Sohle zusammenhält.

Die Schuhe nach jeder Tour zu reinigen ist keine Spielerei, sondern normale Wartung, genau wie das Wechseln des Öls beim Auto oder das Schärfen eines Küchenmessers.

Was man zum Reinigen von Wanderschuhen braucht

Es braucht nichts Besonderes. Die Grundausstattung hat man bereits zu Hause:

Eine mittel- oder hartborstliche Bürste für die Sohle, eine weichere Bürste für das Obermaterial, kaltes oder lauwarmes Wasser, ein weiches Tuch und bei Bedarf ein neutrales Reinigungsmittel speziell für technische Schuhe. Aggressive Reinigungsmittel, Lösungsmittel und alle Produkte, die nicht speziell für technische Materialien entwickelt wurden, sollten vermieden werden: Sie können die wasserdichten Membranen beschädigen und den Kleber angreifen.

Wanderschuhe Schritt für Schritt reinigen

Zuerst: Schnürsenkel und Einlegesohlen entfernen

Schnürsenkel und Einlegesohlen immer vor dem Reinigen herausnehmen. Schnürsenkel werden separat von Hand oder in einem Wäschesack in der Waschmaschine gewaschen. Einlegesohlen werden mit Wasser und Bürste gereinigt und separat getrocknet: Sie im Schuh zu lassen verlangsamt den Trocknungsprozess und begünstigt Geruchsbildung.

Groben Schlamm von der Sohle entfernen

Warten bis der Schlamm teilweise getrocknet ist: Er lässt sich viel leichter entfernen, wenn er trocken ist als wenn er frisch und klebrig ist. Mit einer harten Bürste die Rückstände von Sohle und Profil entfernen, dabei besonders auf die Rillen achten, wo sich am meisten Schmutz ansammelt. Ein Stäbchen oder Zahnstocher hilft bei schwer erreichbaren Stellen.

Das Obermaterial reinigen

Mit einer weichen Bürste und kaltem Wasser das Obermaterial mit leichten Kreisbewegungen reinigen, der Materialrichtung folgend. Bei hartnäckigen Flecken eine kleine Menge neutrales Reinigungsmittel für technische Schuhe verwenden und gründlich ausspülen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt den Nähten: Dort sammelt sich am meisten Schmutz und dort ist der Verschleiß am schnellsten. Alle Reinigungsmittelreste müssen entfernt werden, da chemische Rückstände die Materialien im Laufe der Zeit abbauen können.

Mit kaltem Wasser ausspülen

Immer kaltes Wasser zum Ausspülen verwenden, nie heißes. Heißes Wasser kann die wasserdichte Membran beschädigen, den Kleber angreifen und einige Kunststoffmaterialien verformen. Gründliches Ausspülen ist entscheidend, um alle Reinigungsmittelreste zu entfernen.

Was man niemals tun sollte

Wanderschuhe nie in die Waschmaschine geben. Der Waschgang, auch der Schongang, setzt die Schuhe mechanischem Stress aus, der den Kleber abbaut, das Obermaterial verformt und wasserdichte Membranen wie Gore-Tex dauerhaft beschädigt.

Weder Trockner, Backofen noch Heizkörper verwenden. Direkte Wärme ist der größte Feind von Wanderschuhen: Sie greift den Kleber an, zieht Kunststoffmaterialien zusammen und kann die Sohle dauerhaft vom Obermaterial lösen.

Wanderschuhe richtig trocknen

Das Trocknen ist die kritischste Phase und diejenige, die am häufigsten falsch gehandhabt wird. Wanderschuhe müssen immer an der Luft trocknen, fernab von direkten Wärmequellen.

Nach dem Reinigen Schnürsenkel und Einlegesohlen herausnehmen, den Schuh leicht weiten und an einem belüfteten Ort bei Raumtemperatur aufstellen. Zeitungspapier ins Innere zu stecken beschleunigt den Trocknungsprozess erheblich: Das Papier saugt die Feuchtigkeit von innen auf und sollte alle paar Stunden gewechselt werden, bis der Schuh vollständig trocken ist.

Bei Eile ist ein auf die Schuhe gerichteter Ventilator akzeptabel. Ein Haartrockner nicht: Auch aus der Entfernung kann die Wärme die Materialien beschädigen.

Die Trocknungszeiten variieren: Ein leichter Schuh aus Kunstfaser kann in 6 bis 8 Stunden trocknen, während ein Ledermodell oder eines mit dicker wasserdichter Membran 24 bis 48 Stunden brauchen kann. Die Schuhe nie tragen, bevor sie vollständig trocken sind: Feuchte Schuhe zu tragen beschleunigt den inneren Verschleiß und begünstigt Geruchsbildung.

Wanderschuhe richtig aufbewahren

Die Aufbewahrung ist genauso wichtig wie die Reinigung. Auch perfekt gereinigte Schuhe verschlechtern sich, wenn sie falsch gelagert werden.

Die Schuhe an einem kühlen, trockenen und gut belüfteten Ort aufbewahren, fernab von direktem Sonnenlicht. UV-Strahlen bauen Kunststoffmaterialien ab und lassen Farben verblassen. Geschlossene Plastiktüten vermeiden: Sie halten Restfeuchtigkeit zurück und begünstigen die Schimmelbildung.

Bei längerer Nichtbenutzung die Schuhe mit Zeitungspapier oder einem Schuhspanner füllen, um die Form des Obermaterials zu erhalten. Einige verwenden spezielle Baumwolltaschen oder Stoffbeutel: eine gute Lösung, um die Schuhe vor Staub zu schützen, ohne die Luftzirkulation zu behindern.

Die Schuhe regelmäßig kontrollieren, auch wenn man sie nicht trägt, besonders wenn sie in Garage oder Keller gelagert werden, wo die Luftfeuchtigkeit höher sein kann. Eine Kontrolle alle 4 bis 6 Wochen reicht aus, um eventuelle Probleme zu erkennen, bevor sie irreversibel werden.

Wann die Schuhe imprägnieren

Regelmäßiges Reinigen entfernt auch die werkseitig aufgetragenen Imprägniermittel. Nach jeder gründlichen Reinigung empfiehlt es sich, ein spezifisches Imprägniermittel für das Material des Schuhs aufzutragen, Spray oder Creme je nach Obermaterialtyp.

Das Produkt auf dem gereinigten und trockenen Schuh auftragen und dabei die Herstelleranweisungen befolgen. Vollständig einwirken und trocknen lassen, bevor die Schuhe getragen werden. Regelmäßiges Imprägnieren verlängert die Lebensdauer des Schuhs erheblich und erhält seine wasserschützenden Eigenschaften.

Ein gepflegter Schuh ist ein Schuh, der schützt

Die Pflege der eigenen Wanderschuhe erfordert nicht viel Zeit: Zehn Minuten nach jeder Tour reichen. Aber diese zehn Minuten machen den Unterschied zwischen einem Schuh, der nach zwei Saisons aufgibt, und einem, der dich jahrelang begleitet.

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